Archiv für die ‘Sozialer Raum’ Kategorie

Misanthropia

24 December 2008

Mehr als einmal kam uns auf unseren Wegen durch die Stadt die Idee, am Bielefelder Bahnhof einen riesigen Banner mit der Aufschrift

Welcome to Misanthropia!”

anzubringen. Zu sehr provozierte das Graue von Stadt und Menschen unseren Menschenhass. Dazu passt ein Gedicht, welches sich gestern im Satireteil von SpOn zeigte:

Vor vielen hundert Jahren schon,
da sprach ein Mann zu seinem Sohn:
“Ich hab das Leben, ach! so satt;
wohlan, wir gründen eine Stadt!”

Der Sohn war wie der Vater toll
vor Menschenhass und Lebensgroll
und sprach: “Sie soll auf Erden
ganz einzigartig werden!”

So bauten sie. Bald war vollbracht,
was Ekel, Zorn und Wut erdacht.
Und also kam auf diese Welt
der Teufel namens Bielefeld.

Thomas Gsella

(Quelle)

Untergrunddiversität aus der Hauptstadt…

21 August 2008

Es passiert so oft, dass man in der Öffentlichkeit Menschen sieht, die man ob ihres Andersseins, ihrer Schönheit, ihres Styles oder nur aufgrund der Situation, in der sie sich gerade glücklich oder unglücklich bewegen fotografisch konservieren möchte. Man macht es aber natürlich nicht, aus Respekt vor der Privatheit, dem öffentlichen Raum, möglicher Peinlichkeit oder der schlichten Angst, darauf hin eine gelangt zu bekommen.

Der Fotograf Toufic Beyhum hat in einer eindrucksvollen Fotoserie die Diversität von Gestalten in den Berliner U- und S-Bahnen festgehalten. Eine große Menge Vorschaubilder finden sich hier.

(via)

People

23 July 2008

Ob ER sich wohl DAMIT um Arbeit bemühte?

(via)

Es glüht wieder und hat sich ausgeglüht…

18 June 2008

Ein Anhänger der europäischen Idee bin ich, seit ich mir dazu eine eigene Meinung machen kann. Dennoch brauchte es mal wieder ein Krise, wie die aktuelle, durch das irische Referendum ausgelöste, um mich aus dem Dämmerschlaf von gelangweilter Politik- und Politikermüdigkeit zu wecken und mich wieder zur ausgiebigen Presselektüre zu bewegen. In diesem Sinne verlinke ich einen kompakten Lesetip, einen Artikel aus der Sueddeutschen Zeitung, unseres Vorzeigeintellektuellen Jürgern Habermas.

Und warum glüht es sich aus, wie der Titel effekthascherisch ankündigte? Na, aus Europa kommen beizeiten auch gute Nachrichten. Damit meine ich nicht die europaweite Regelung zur Abschiebung von sogenannten “Illegalen”, sondern die Idee, es Australien und Neuseeland gleichzutun, und ab 2009 herkömmliche Glühbirnen zu verbieten. So freue ich mich nun darüber, dass auch noch sinnige Entscheidungen in Brüssel getroffen werden.

Ich möchte es einfach nicht hören…

20 April 2008

… nicht eure Ausbrüche von geistloser Dummheit, nicht euer absolut verblödetes Lachen und Kichern, nicht eure viel zu lauten Beweise fehlender Erziehung, nicht die herausgeschriene Abwesenheit von Bildung, nicht eure die Raumluft kontaminierende Stillosigkeit, das Gegeneinanderschlagen der Dosen Billigbier, euer Rülpsen so wenig wie eure Bildwitze, -wahrheiten und -werte.

Ich möchte es einfach nicht hören. Ich musste es aber, denn ich saß mit euch in einer Regionalbahn.

Karfreitag

22 March 2008

Man geht in diesen Tage durch die Berliner Strassen in Mitte und versteht kaum ein Wort, 75% des Gesprochenen ist entweder spanisch oder englisch. Schön, dennoch jedes Wort zu verstehen. Unverschont blieben wir von der eigenen Blödheit; heute ins jüdische Museum zu gehen war ungefähr so erfolgreich wie sich spontan dazu zu entschließen, doch noch das Champions League Finale live im Stadion sehen zu wollen.

Bei der Anreise musste ich am Springer Gebäude, in dem in Kürze die komplette ehemals Hamburger Bild-Redaktion ihre volksverdummende Arbeit aufnehmen wird, den unglaublich riesige (51m x 46m) “Bild liebt Berlin“-Banner sehen. Ein wiedermal perverser Fall von visueller Verschmutzung öffentlichen Raums. Ich tendiere dazu, die großflächige Verhängung der Bürofassade folgendermaßen zu deuten:

“Bild, wir schauen nicht über den Tellerand, wir dürfen ja nichtmal aus unseren eigenen Bürofenster sehen!”

Nachtrag: Bilder vom BildBanner (via)

Proteste gegen die FARC

5 February 2008

Was gestern in Kolumbien passierte, ist so wunderbar wie interessant. Millionen von Kolumbianern zogen auf die Strassen der Welt, vor allem aber der kolumbianischen Städte Bogotá und Medellín, um gegen den Terror, die Entführungen der militanten FARC zu demonstrieren. (Nicht ganz) unabhängige Medien schrieben die Zahl der Teilnehmer auf bis zu 10 Millionen (sic!) hoch.

Auch ElTiempo, die größte ernstzunehmende Zeitung Kolumbiens, hielt sich mit Superlativen nicht zurück (”mayor movilización en la historia del país”)* und verkündete gar die sozialglobale Bedeutung der Proteste:

Los colombianos inauguraron ayer una nueva era de la protesta
social en el mundo. La globalización del repudio.**

Tatsächlich ist der wahrhaft beeindruckende Aspekt dieser Aufmärsche die Entstehungsgeschichte. Ausgangspunkt war facebook, das größte und wohl einzige wirklich weltweit verbreitete SocialNetwork. Die Gruppe “UN MILLON DE VOCES CONTRA LAS FARC“*** zählt mittlerweile mehr als 250.00 Mitglieder. Aus dieser heraus wurde zu den Proteste von Kolumbien bis Australien, Afrika, Asien, Europa aufgerufen. Die Resonanz war sichtbar gewaltig. Entscheidend war, dass die Organisation von einer unabhängigen, nicht politisch organisierten, freischwebenden Gruppe angeregt und übernommen wurde. Während Uribe und Chavez, die beiden Pole rechts und links, gerade in jüngster Vergangenheit die FARC für ihre politischen Ziele instrumentalisiert haben, war die von den Demonstranten getroffene Aussage eine, die aus der Mitte des Volkes kam, aus einer großen, jungen, anarchischen, kreativen und engagierten Netzgemeinde heraus.

Dass diese auch außerhalb des virtuellen Raumes etwas zu bewegen weiß, wurde hiermit zum wiederholten Male eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

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* größte Mobilisierung in der Geschichte des Landes
** die Kolumbianer läuteten gestern eine neue Ära des gesellschaftlichen Protestes ein. Die Globalisierung der Ablehnung.
*** eine Millionen Stimmen gegen die FARC

Presseberichte über die Proteste:

El Tiempo (COL)
El Pais (ES)
Süddeutsche (D)
Spiegel (D)

Nachbarn…

4 January 2008

Ein Blick nach Hessen. Mir dreht sich der Magen um. Wenn man diesen Populisten weiterhin an die Macht wählt, sollte man sicherlich ernsthaft über das Prinzip dieser Demokratie nachdenken, die es erlaubt, die Schwachen zu mobilisieren, indem man gegen die Schwächeren hetzt. Das ist vielleicht nicht sonderlich neu, aber eben deshalb besonders traurig.

Rauchglas!

12 November 2007

Seit Kurzem gibt es in dieser so wunderbar progressiv antifreiheitlichen Republik kleine Raucherkisten, wie ich neulich im Hessischen sehen durfte:

Ich bin gespannt, welches Wort der Volksmund im Laufe der Zeit beflügeln wird. Ich schlage einfach mal Gaskammer vor, wahlweise auch TeerArium.

Einre für alle, mitrauchen macht glücklich!

In ICEs gibt es Ähnliches seit der Einführung eines generellen Rauchverbots auch. Dort sind sie allerdings mit WC beschriftet.

An alle Friedrichshainer und Kreuzberger – Reclaim the streets!

3 November 2007

Berlin ist groß in optischer Stadtverschmutzung wie ein Blick von der Oberbaumbrücke immer wieder schmerzhaft beweist. Gegen manches kann man aber immer noch ankämpfen. So zum Beispiel gegen den Diebstahl öffentlichen Raums bei der Planung des Spreeufers.

Verkauft diese Stadt nicht kaputt!!!

MITMACHEN!

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