Archiv für die ‘Beobachtungen’ Kategorie

Misanthropia

24 December 2008

Mehr als einmal kam uns auf unseren Wegen durch die Stadt die Idee, am Bielefelder Bahnhof einen riesigen Banner mit der Aufschrift

Welcome to Misanthropia!”

anzubringen. Zu sehr provozierte das Graue von Stadt und Menschen unseren Menschenhass. Dazu passt ein Gedicht, welches sich gestern im Satireteil von SpOn zeigte:

Vor vielen hundert Jahren schon,
da sprach ein Mann zu seinem Sohn:
“Ich hab das Leben, ach! so satt;
wohlan, wir gründen eine Stadt!”

Der Sohn war wie der Vater toll
vor Menschenhass und Lebensgroll
und sprach: “Sie soll auf Erden
ganz einzigartig werden!”

So bauten sie. Bald war vollbracht,
was Ekel, Zorn und Wut erdacht.
Und also kam auf diese Welt
der Teufel namens Bielefeld.

Thomas Gsella

(Quelle)

Kaffeehaus nebst Beton

12 December 2008

Mein bevorzugter Umsteigebahnhof, der in Duisburg, hat nun einen Starbucks. Wenn sich diese privatwirtschaftliche Alternative zur DB-Lounge auf allen grösseren Bahnhöfen durchsetzt, dann gebe ich meine BahnComfort-Karte bald ab. Für den elitären Touch sorgen die Cappuccinopreise bei dene allemal.

Tristess

9 December 2008

Gris – der Wetterblog (Teil 2)

Ein Blick aus meinem Dachfenster zeigt grau. Nur grau! Wenn es wenigstens richtig schlecht wäre, aber Bielefeld glänzt mal wieder durch die völlige Abwesenheit von Wetter. Es scheint, als hätte Petrus diese Stadt in seiner Planung schlicht vergessen. Stattdessen bleibt uns auf der Resterampe der Klimaplanung nur die traurige Ursuppe, für die es einfach keine Worte, kein Empfinden und kein Gegenmittel gibt. Und wenn doch, dann ist es Regen, an immerhin 205 Tagen im Jahr.

Adventskalender

1 December 2008

Heute fängt wohl wieder das grosse Türchenöffnen an. In Zeiten, in denen die Schokoladenvarianten von Aldi bis Lindt nur noch als Verlegenheitsentschuldigung für gestresste Mütter herhalten, und die hochpreisigen und doch billigen Ausführungen von Playmobil oder Rubbellos als Klassiker der 0.XX-”beta” Generationen dem hier und heute nur ein analoges Gähnen entlocken, komme blog- wie webpageseitig die spannenderen Varianten daher, die der digitalen urbanen und verarmenden Bohme auch dahingegend entgegenkommen, da sie nur noch denjenigen Geld kosten, der mit dem Besitz eines Ei-Fon – Volumentarifs beweisst, dass es ihm auch egal sein kann. So kommt uns jeden Tag ein neues Irgendwas ins Haus: Kalorienbefreite Kunstschätze, Rätselfragen, Tagesweisheiten, BestOf-Videos oder Backtipps sind dank Atom oder RSS nunmehr sogar weniger als eine Klick entfernt. Doch wirklich zwonullig marschieren dann die Varianten voran, die das Mitmachen zum Prinzip erklären. Wie Teresas wunderbares Advention, zu welchem ich beizeiten auch meinen Beitrag leisten werde. Und so bekommt man für einmal Arbeit 23faches Überraschen frei haus. Der Netzadvent ist so liebevoll solidarisch!

Alleinreisend

27 November 2008

Es scheint ewig her, dass ich auf meinen Wegen in die Ferne, im ICE oder im Flugzeug mal jemanden an meiner Seite hatte, den ich schon vor Reiseantritt kannte. Das macht vieles gleichermaßen frei wie verantwortungsvoll. Doch wissend, dass in jedem Ziel irgendwer sich wartend freut zeigt, dass der Weg eben doch nicht immer das Ziel und das Dazwischen eben doch kein Ort ist. Jedenfalls keiner, an welche sich aufzuhalten wirklich lohnen würde, zumal Fliegen nach wie vor eine würdelose Beschäftigung ist.

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espacios.de empfiehlt: Distance – Traffic
via FoxyTunes

Kulturimport!

11 November 2008

Bücher, Musik, Comics, Filme, Zeitschriften….

Die Ausbeute einer Woche! Futter für Monate!

Urlaub?

10 November 2008

Den brauche ich nach dieser Woche wahrhaftig….

Vergessen und Erinnern

8 November 2008

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Verklärung ist wohl das Ausblenden von Schönem oder Schlechtem im Nachhinein. Es mag sein, dass ich einiges von der Schönheit Madrids aus dem direkten Präsenzbestand meiner Erinnerung gestrichen habe, dazu gehört auch das unschlagbar wundervolle Licht in der letzten halben Stunde des Tages. Man sagt, dass die Farben der Spanischen Flagge eben diese Illumination symbolisieren.

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Ferner ist es schön, die alten Wege einfach wieder zu gehen. Wenn ich auch immer noch das Gefühl habe, mit Madrid eine Stadt vor mir zu haben, die ein starkes Geheimnis hat, dass ich schlicht nicht kenne, so ist es dennoch in Vielem eine grosse Vertrautheit, die meine Wege hier begleitet. Ich merke, dass Lavapies, mein altes Viertel, wirklich ein sehr eigenes und anderes Madrid repäsentiert, in dem ich mich immer noch sehr speziell wohl fühle. Ich merke, dass es noch viel zu entdecken gibt. Auf meinen Wegen heute durch Noviciado bereute ich es, dieses Juwel damals so wenig wertgeschätzt zu haben. Ich habe in einzelnen Menschen hier -und damit in dieser Stadt- Spuren hinterlassen. Auch hier kann zuhause sein, das wird mir gerade klar an einem Ort, der mich wohl mehr prägte, als ich es manchmal zugeben mag.

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Alltag

21 October 2008

Mein Gott, hier passiert ja gar nichts mehr! Ewige Blogabstinenz, die einen glauben lassen könnte, ich hätte mich für ein paar Wochen in den kolumbianischen Dschungel verirrt. Doch was sich so spektakulär konstruieren ließe, löst sich in Wahrheit im unspektakulären Nebel von Alltag auf. Ja, Alltag! Und das Schöne ist: Ich weiß es wirklich zu schätzen. Jeden Morgen ist die die gleiche frühe Stunde, zu der mich mein kleines Sammelsurium aus dem Bett dröhnt, es ist der gleiche Kaffee, den ich jeden Morgen für mich und meine Mitbewohner koche und dann führt mich mein Weg in die Uni, zur Arbeit oder an den Schreibtisch. Der Abend gehört mir, dem Sport, den Freunden, dem Wein oder einem Buch, vor allem aber dem Gefühl, freie Zeit wiedermal als etwas wahrhaft Wertvolles erleben zu können.

Überdies verliebe ich mich gerade mehrfach neu: In meine Arbeit in diesem herrlich sympathischen kleinen Outdoor-Laden, in meine Kollegen und die Zeit, die ich dort verbringe. Daneben in die Soziologie, die mir nach eher durchwachsenen Arbeiten an Themen, die nicht meine waren, wieder ihre fesselnde Seite zeigt.

Ich hoffe einfach, dass es bleibt!

Literaturtrailer

21 October 2008

Die Buchmesse ist vorbei. Ich war immer noch nicht da, aber anlässlich dieses Großereignisses fallen mir auf meinen Netzwegen erstaunlich häufig filmische Literaturtrailer auf. Diese schwanken zwischen beeindruckend, wie der zum neuen Buch von Christian Kracht und eher misslungen, wie sein Pendant zu Heinz Strunks “Die Zunge Europas”, dessen “Fleisch ist mein Gemüse” auch als Buch schon nicht über vereinzelnd feine Anekdoten ohne wirklichen Plot hinauskam. Da überzeugen mich dann auch weder die Empfehlung des von mir in allen Facetten seines künstlerischen Schaffens geschätzten Sven Regeners, noch das Label “Kultbuch” für das beiläufige Langeweile nebst der Abwesenheit jedweder Aussage hierzulande scheinbar Eintrittsvoraussetzung ist, wie auch Roche oder Schamoni in den letzen Jahren bewiesen.